Der Verlorene (Arthaus Premium)

V: Der Verlorene (Arthaus Premium)

BRD, 1951

FSK16
(freigegeben ab 16 Jahren)

Veröffentlichung geplant zum 30.11.2007

Artikelnummer: 7224344

Der Verlorene (Arthaus Premium)
V

2 DVDs

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Drama, s / w, 93 Min.
Regie: Peter Lorre
Darsteller: Peter Lorre, Karl John, Helmuth Rudolph, Renate Mannhardt, Johanna Hofer
Filmmusik: Willy Schmidt-Gentner
Sound: Spr: D
Bild: 4: 3
Untertitel: D
Specials: Neu produziertes Making of, Doku "Peter Lorre Das doppelte Gesicht" (1984) von Harun Farocki, exklusives Booklet von Felix Hofmann, Dokumente der FBW als PDF

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Lexikon des Int. Films: "Ein Arzt wird 1943 wegen kriegswichtiger Forschungsarbeiten von der Gestapo daran gehindert, den Totschlag an seiner Braut zu sühnen, den er im Affekt beging. Ein atmosphärisch sehr dicht und quälend eindringlich gestalteter, hervorragend gespielter Film, der in der deutschen Nachkriegsproduktion seinesgleichen sucht und lange Zeit verkannt blieb."
Zum Inhalt des Films:

Dr. Karl Rothe entwickelt in den letzten Kriegsjahren ein bedeutsames Impfserum. Seine Verlobte leitet die Forschungsergebnisse heimlich an ihren Vater in Schweden weiter. Als sie Rothe den Verrat beichtet und er zudem erfahren muss, dass sie ein Verhältnis mit seinem Assistenten Hoesch hat, kommt es zu einer Kurzschlusshandlung. Im Affekt tötet Rothe die Frau, die er liebt. Doch der Vorfall wird vertuscht. Rothes Forschungen sind dem Nazistaat wichtiger, als Rothes Wunsch nach Sühne. Nur Rothe kann mit der Schuld nicht leben.

Filmbewertungsstelle Wiesbaden: Besonders wertvoll

Aus dem FBW-Gutachten von 1951: „Die Handlung, die auf wahren Begebenheit beruht, ist mit einer so ungewöhnlichen Eindringlichkeit gestaltet, die schauspielerische Leistung von Peter Lorre und den eingesetzten anderen Kräften, die Regie und die Kamera sind von einer filmischen Ausdruckskraft, wie sie kaum ein ausländischer Film der Nachkriegszeit gezeigt hat. Neben dieser ganz besonders künstlerischen Leistung steht aber auch die Tendenz des Films, die in so überaus notwendiger und eindringlicher Weise zeigt, bis zu welcher Vernichtung des Individuums ein diktatorisch gelenktes Staatswesen führen kann.“

Lorre-Biograf Felix Hofmann in seinem Buch „Peter Lorre, Portrait des Schauspielers auf der Flucht“ (Belleville Verlag, 1998): „Auch wenn die Zeitungskritiker nur in Andeutungen darauf zu sprechen kommen, diesen Schluss des Films, Hinrichtung und Selbsttötung, nehmen ihm die Deutschen übel. Einen Kriminalfilm über einen Triebtäter, so wie sie es von ihm erwarteten, hätten sie hingenommen, aber keine Politik. Dieser Film formuliert die Überzeugung, dass man die Schuldigen unbedingt stellen muss, dass man herausfinden muss, ob sie sich geändert haben, ob sie inzwischen einsehen, dass sie ungeheure Verbrechen begangen oder gedeckt oder geduldet haben, und dass sie, wenn sie sich dieser Einsicht verweigern, das Recht weiterzuleben, verwirkt haben. Kein anderer deutscher Nachkriegsfilm ist in derartig deutlicher Art auf diesen Punkt zu sprechen gekommen.“

Der 1951 erste bewertete Langfilm der FBW (Prüf-Nr. 21) war ein bis heute ungewöhnlicher Film – der einzige Film des Brecht-Schauspielers Peter Lorre, Hauptdarsteller in Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, der in der Nazi-Zeit in die USA ins Exil musste, in der Hammett-Verfilmung des „Malteser Falken“ mitspielte und als „Mr. Moto“ berühmt wurde. Peter Lorres Film (mit ihm in der Hauptrolle) packte ein damals unvorstellbar heißes Eisen mutig und filmisch auf höchstem Niveau an: Schuld und Mitläufertum im Nazi-Regime. Ein deutscher Film noir mit politischem Hintergrund, für die Filmhistorikerin Lotte Eisner "der beste deutsche Film seit 1933".
Der Film ging an den Kinokassen unter, die Presse schwankte zwischen „Kunstwerk“ und „Machwerk“. Peter Lorre ging zurück in die USA.